Alter Wein in neuen Schläuchen – Soft Skills und Digitalisierung?

Bild 1 MondlandungDas beruhigende an Prognosen ist, daß es (1) anders kommt als man (2) denkt. Nur eine Prognose wird wirklich eintreffen: der Hype um die „Digitalisierung“ und der hierzulande gerne damit verbundenen „Industrie 4.0[1]“ wird zunehmen.

Was hätten sich wohl die Pioniere früherer technologischer Revolutionen gedacht, wenn jede ihrer Handlungen hysterisch von Analysten, Consultants, Schamanen und anderen Trittbrettfahrern begleitet worden wäre? Wer nicht sofort auf Dampf, Benzin, Strom oder Elektronik umstellt, wird ein Opfer des jeweilig angesagten Darwinismus? Wie trivial oder, je nach Perspektive, wichtigtuerisch manche Modelle mit einer historischen Perspektive werden. Dampfmaschinen mögen fast verschwunden sein, aber alle anderen technischen Errungenschaften früherer Zeiten sind unverändert Teil unseres Alltags.

Die postfaktische Welt der Digitalisierung

Untergangsszenarien und damit verbundene Termine (Disruption am 1.4.2018 – Download in Ihren Kalender?) sind auch in netteren Verpackungen schnöde Verkaufsversuche[2].

Zahlen, schöne Folien und viele Studien legen einen sofortigen Handlungsbedarf nahe. Schaut man genauer hin, so öffnet sich eine Welt der alternativen Tatsachen.

Wie man mit digitalen Luftschlössern professionell umgeht, schildert dieser sehr lesenswerte Blogbeitrag der i-Service Initiative.

Digitalisierung und Soft Skills

Bild 2 RaketeOrientieren wir uns also an Tatsachen. Die Digitalisierung ist nicht neu, sondern eine Auswirkung der dritten industriellen (elektronischen) Revolution[3]. Je nach Branche ist Digitalisierung also schon sehr lange ein Thema und somit ist auch niemand wirklich überrascht oder gar kalt erwischt. Der Umgang mit der Digitalisierung hat auch nichts mit Raketenwissenschaft zu tun.

Digitale Kompetenz und Erfolg in der modernen Arbeits- oder Alltagswelt hängen bestimmt nicht davon ab, ob man als Unternehmer oder pro-aktiver Manager weiß, wie man einen Podcast produziert oder was eine Singularität ist[4].

Und Ihre Mitarbeiter? Sie und Ihre Mitarbeiter müssen alle Entwicklungen bewältigen, die für Ihr Unternehmen und ihre Branche relevant sind. Ein Blick in die Runde wird Sie davon überzeugen, daß Sie von Mitarbeitern quer durch alle Generationen in bunter Mischung umgeben sind. Keine Belegschaft besteht ausschließlich aus der Generation Y und auch die Kundschaft ist unverändert vielschichtig.

Noch so ein von Branchenvertretern und ihren „Experten“ postulierter Trend[5], den Sie beruhigt ignorieren können.

Und da wir gerade dabei sind: hippe Vorbilder von Tesla bis Google & Co können Sie auch ignorieren. Betrachtungen im HR-Umfeld[6] stellen fest, daß Erfahrungen zur Digitalisierung aus dem direktem Marktumfeld deutlich relevanter sind.

Digitalisierung von innen

Was ist jetzt für Ihre Mitarbeiter im Zusammenhang mit der Digitalisierung relevant?

Zunächst gibt es eine interne Komponente. Das eigene Unternehmen ist unabhängig von äußeren Trends zu digitalisieren, weil die Entwicklung der Technik immer wieder Fortschritte ermöglicht. Angebote und Prozesse werden optimiert, Abläufe automatisiert und rationalisiert. Zentrale Themen sind hier:

  • Organisation nach außen: Wachstum managen
  • Organisation nach innen: Intelligente Datenanalysen führen zu neuen Geschäftsmodellen und Angeboten
  • Mitarbeiter auf Anforderungen von außen vorbereiten: Customer-Experience-Themen in die Ausbildung bringen, Lücken entdecken und schließen, Effektivität erhöhen, Performance verbessern
  • Mitarbeiter intern entwickeln: Nutzen aus Vorschlägen ziehen, Potential systematisch entwickeln

Das Potential der Mitarbeiter wird zum entscheidenden Faktor – nur Mitarbeiter gestalten Prozesse im Kundenkontakt, sie „leben“ das Wissen eines Unternehmens und nur sie bewältigen die komplexen Aufgaben, die ihnen die digitale Maschinerie hinterläßt.

Das „Konzept“ bzw. das Bild eines Mitarbeiters muß sich durch Digitalisierung ändern. Mitarbeiter sind nicht mehr Empfänger von einmal vermitteltem Wissen, das bei Kündigung schnell, billig und beliebig ersetzt werden kann.[7]

Digital Leadership bzw. überhaupt der Umgang mit Digitalisierung basiert auf dem Einbeziehen der Mitarbeiter. Aber welche Kompetenzen (oder Soft Skills) sind erforderlich, um in der immer digitaleren Welt wirksam zu agieren?

In den Mittelpunkt der Betrachtung rücken Soft Skills wie „Veränderungskompetenz“[8], um mit neuen Anforderungen umgehen zu können bzw. um diese zu erkennen und zu erlernen.

Die Liste wichtiger Soft Skills wird nur dann länger, wenn man die bisherige Aus- und Weiterbildung mit einer engen Bandbreite umgesetzt hat. An Fakten und kurzfristigen Themen orientierte Angebote sind nicht mehr tragfähig.

Soziale Kompetenz ist unverändert ein Bestandteil der Ausbildungsthemen, muß nun aber im digitalen Umfeld erweitert definiert werden. Medienkompetenz ist eine weitere klassische Voraussetzung für das Arbeiten in der digitalen Welt und auch hier sind weitergefaßte Konzepte notwendig.

Dazu gesellen sich analytische Kompetenzen, Abstraktionsfähigkeit, Selbstorganisation und Lernkompetenz.

Lernkompetenz wiederum spielt sich in neuen sozialen und kollaborativen (digitalen) Lernumgebungen (Foren, Communities) ab und die sind wiederum Teil einer neuen Lernkultur.

Mitarbeiter mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen lernen und lösen Aufgaben im Arbeitsalltag. Dabei rücken individuelles und selbständiges Lernen in den Mittelpunkt.

Hier schließt sich der Kreis: individuelles Lernen ist aus pädagogischer Sicht schon lange eine Selbstverständlichkeit und ein Grundelement von Lernen. Die betriebliche Praxis entdeckt dies nach langen Jahren des Ignorierens.

Bild 3 EPSS
Die Digitalisierung bietet hierfür nun genügend Tech­no­logien, die eine individu­alisierte und effek­tive Lern­kul­tur un­ter­stützen, etwa als elek­tro­nisches Per­for­man­­ce Sup­port System. So können Mitarbeiter individuelle und genau passende Inhalte abrufen und nach Bedarf am Arbeitsplatz nutzen.

Die moderne digitale Organisation kennt andere Hierarchien als die der „Generation Befehlsempfänger“ – und sie muß gleichzeitig die verschiedenen Generationen integrieren und ihre verschiedenen Stärken nutzen und bündeln, damit Unternehmen mit Veränderungen proaktiv umgehen können. Dieses Ziel basiert auf kritischem Denken.

Aus- und Weiterbildung im digitalen Umfeld muß das Potential der Mitarbeiter fördern und dafür Soft Skills in den Mittelpunkt der Angebote rücken.

Erfahren Sie mehr dazu im Webinar „Soft Skills und Digitalisierung“ während der Customer-Experience-Week am 14.3.2017 von 15:00 – 15:30.

Zur Anmeldung

[1] Der Begriff ist eine rein deutsche Wortschöpfung – Informationen dazu hier.

[2] Grundwissen aus den Vertriebstraining: niemals mit der Angst des Kunden argumentieren.

[3] Schulwissen – Zusammenfassung hier.

[4] So wie dieser Blog das suggeriert.

[5] Nachzulesen hier.

[6] Personalwirtschaft u.a. (2016). Digital Leadership – Die Zukunft der Führung in Unternehmen. S. 16

[7] Dieses Wissen ist so umfangreich, daß klassische Ausbildungskonzepte scheitern, siehe Blog

[8] Haufe, hier

The following two tabs change content below.
Frank Otto

Frank Otto

…baute zahlreiche Vertriebs- und Customer Service-Abteilungen auf. Er begleitet den Aufbau von neuen Märkten, den Ausbau von Absatzwegen und -medien und er steuert in verantwortlicher Position Phasen des Strategiewechsels. Er kennt und beherrscht die entsprechenden Technologien. Die umfangreichen Erfahrungen und Kenntnisse der entscheidenden „weichen“ Themen stehen im Mittelpunkt seiner Projekte mit Schwerpunkt in der Qualifizierung zur Steuerung von Kundenerfahrungen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.