Klartext: Ersetzen Künstliche Intelligenz und Robotic Process Automation bald den Menschen?

blogbild_chatbotAutomatisierungslösungen wie Künstliche Intelligenz und Robotic Process Automation besitzen das Potential, viele über Jahrzehnte zementierte Abläufe in Unternehmen und Behörden zu verändern. Ein Report von McKinsey stellt aber klar: Nicht jede Branche ist gleichermaßen von der Automatisierung betroffen.

Robotik- und Automatisierungstechnologien, die auf künstlicher Intelligenz basieren und sich in einem rasanten Tempo fortentwickeln, werden in naher Zukunft fast jeden Beruf in einem unterschiedlichen Ausmaß treffen. Zu diesem Ergebnis kommt McKinsey nach einer Analyse von mehr als 2000 Tätigkeiten in über 800 Berufen in den USA. Dass dadurch Berufe komplett wegfallen, wird nach aktuellem Stand nur selten der Fall sein. Eher sind es bestimmte Tätigkeiten eines Berufes, in denen der Mensch durch eine Maschine ersetzt wird. McKinsey unterscheidet hier drei Gruppen: Aktivitäten, mit einem hohen, mit einem mittleren und einem niedrigen Potential zur Automatisierung.

Hohe Automatisierungswahrscheinlichkeit: Physische Tätigkeiten

Schaut man sich die aktuellen technischen Entwicklungen an, ist die Wahrscheinlichkeit der Automatisierung im Bereich körperlicher Tätigkeiten am höchsten. 78% aller körperlichen Tätigkeiten im beruflichen Umfeld könnten durch Maschinen ersetzt werden. Am höchsten ist das Substituierungspotential in den Branchen Gastronomie, Hotellerie, Produktion und Einzelhandel.

Mittlere Automatisierungswahrscheinlichkeit: Daten erfassen und verarbeiten

Das Automatisierungspotential im Bereich der Datenerfassung und –verarbeitung liegt bei über 60 Prozent und betrifft nicht nur Einstiegsjobs und Geringverdienende. Auch Führungskräfte sind einen guten Teil ihrer Arbeitszeitung mit der Datenverarbeitung beschäftigt. Damit hat diese Tätigkeit ein mittleres Substituierungspotential. Insbesondere hier erwarte ich einen deutlichen Einfluss auf die Automatisierung von Tätigkeiten in Contact Centern und Back Office Teams – unabhängig davon, ob diese „inhouse“ oder extern (im Business Process Outsouring / BPO) betrieben werden. Auch die Analysten von Sutherland legen sich hier fest: zwischen 50 und 70 Prozent betrage der potentielle Anteil der automatisierbaren Tätigkeiten in Contact Center und Verwaltung.

Schwer zu automatisieren: Kognitive und kreative Fähigkeiten

Mitarbeiterführung und –ausbildung, Unternehmensplanung, schulische Erziehung, kreative Arbeit – bei diesen Tätigkeiten ist die Automatisierungsrate äußerst gering und aktuell kaum vorstellbar. Im kreativen Bereich liegt sie bei 18%, in der Mitarbeiterführung nur bei 9%. Auch in der Gesundheitsbranche ist die zwischenmenschliche Interaktion äußerst wichtig und das Substituierungspotential dementsprechend gering.

Wie hoch das tatsächliche Substituierungspotential einer Aktivität ist, hängt ab von:

den technischen Rahmenbedingungen,
der Höhe der Entwicklungs- und Anwendungskosten für Hard- und Software,
der Höhe der Arbeits- und damit verbundenen Liefer- und Bedarfskosten,
ihren Vorteilen, wie Personaleinsatz, bessere Ergebnisse, höhere Qualität, geringere Fehlerrate,
sowie dem Grad der sozialen Akzeptanz und der regulatorischen Effizienz.
Daher bleibt zu beachten: nur weil eine Technologie greifbar ist und günstig erscheint, heißt es noch lange nicht, dass sie gesellschaftlich akzeptiert wird. So kann sich die Mehrheit der deutschen Bevölkerung nicht vorstellen, von Maschinen im Alter gepflegt zu werden.

Die Analyse von McKinsey lässt den Schluss zu, dass in physisch-mechanischen und stark routinierten Arbeitsabläufen kognitive Software und Künstliche Intelligenz den Menschen schon in wenigen Jahren wesentlich mehr Arbeit abnehmen wird. Insbesondere für die alltäglichen, zwischenmenschlichen Dialoge per E-Mail, Brief, App und Web bedeutet das: Automatisierung ist ein Kernthema der kommenden 3 Jahre. Nicht immer wird es hierbei zu einer Reduktion von Arbeitskosten kommen, in jedem Fall aber zu einer Steigerung der Produktivität durch geringere Fehlerraten und schnellere Ergebnisse.

Andreas Klug – ITyX

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Andreas Klug

Andreas Klug

… ist seit 2004 im Vorstand der ITyX AG für die Bereiche Marketing und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. Lösungen im Umfeld von Call Centern und Back Office Organisationen stehen seit mehr als 15 Jahren in seinem beruflichen Mittelpunkt.Seine besondere Leidenschaft gilt der Integration neuer Dialogkanäle (E-Mail, Social Media) und Internet Self Services. „Durch die ständige Verfügbarkeit des Internets befindet sich unsere Service-Ökonomie in einem tiefgreifenden Wandel. Mitdenkende Software ist der Schlüssel zur Beschleunigung von schriftbasierten Geschäftsprozessen."

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