Digitaler Wandel tötet

Business Transformation & Change Management

Axel trennt sich von Springer, so wurde der Deal zwischen dem Springer Verlag und der Funke Mediengruppe genannt. Das hat nicht nur die Verlagswelt aufgeschreckt. Einmal mehr verdeutlicht dieser Vorgang die Ernsthaftigkeit der massiven Auswirkungen des Internets auf klassische Geschäftsfelder.

Jeff Jarvis vergleicht die Auswirkungen des Internets und Social Media mit dem Einfluss von Gutenbergs Erfindung der Buchpresse auf die damalige Zeit.

Doch wie geht man als Unternehmen mit den massiven Veränderungen um, die durch den digitalen Wandel drohen? Business Transformation heißt das Stichwort; anders formuliert: Anpassen oder sterben. Der digitale Wandel kann Unternehmen töten, wenn Anpassungen nicht im notwendigen Maß vorgenommen werden.

Kind mit Rollschuhen, Holzflügeln und Sturzhelm streckt die Arme gen Himmel

Business Transformation mit Verjüngungskur: Anpassen oder sterben im digitalen Wandel.

Über 40% der Fortune 500 aus dem Jahr 2000 sind im Jahr 2010 von der Liste verschwunden! Das ist Social Darwinism pur: The survival of the fittest.

Konzerne und Unternehmen wie Quelle, Neckermann, Arcandor, Financial Times Deutschland oder Börse Online sind nur einige prominente deutsche Vertreter, die diesen Wandel nicht vollziehen konnten.

Welche Unternehmen zeigen Best Practices? Was ist ihr Erfolgsgeheimnis?

Die Gewinner sind die großen Klassiker des Onlinemarktes: Amazon, Google und eBay. Ihr aggressives Marktverhalten hat massive Auswirkungen auf nahezu alle traditionellen Branchen. Alle genannten verfolgen eine ähnliche Strategie mit drei wesentlichen Merkmalen:

  1. Die Erweiterung der Wertschöpfungskette

    Anstatt sich, wie in der traditionellen BWL empfohlen, auf das Kerngeschäft zu konzentrieren, erweitern diese Unternehmen stetig ihre Wertschöpfungskette.
    Amazon begann als Buchhändler und ist zum weltgrößten Onlinehändler herangewachsen. Bereits seit einigen Jahren werden Rechenüberkapazitäten als Cloudlösung angeboten und der neuste Deal soll mit Streaming nun die Fernsehwelt aufmischen.

    Google startete als reine Suchmaschine, hat mittlerweile ein schier unüberschaubares Produktportfolio und wird in das lukrative Preisvergleichsgeschäft einsteigen. Den Anfang soll noch in diesem Jahr ein KFZ-Versicherungsvergleich machen. Eine Banklizenz kann Google, genau wie Amazon, ebenfalls vorweisen.
    PayPal ist sicherlich die bekannteste Erweiterung von eBay. Der Zahlungsdienstleister verlagert aktuell sein Onlinegeschäft in die reale Welt. Dass die eBay-Kleinanzeigen zum Konzern gehören lässt sich leicht vermuten; Mobile.de und brands4friends.de sind weniger wahrgenommene eBay Töchter, die die Kette des Konzerns verbreitern. Mit gleich zwei Überraschungen wartet eBay aktuell auf: Mit eBay Hire, eine im Testbetrieb laufende Vermittlungsplattform für Dienstleistungen und der Übernahme von Shutl, über die offensichtlich eBay now, ein Sofortlieferdienst für lokale Offlinegeschäfte, in Europa eingeführt werden soll. Eine Banklizenz besitzt eBay selbstredend.

  2. Die offenen Plattformen

    Ein wesentlicher Asset der drei Marktteilnehmer ist der offene Zugang zur deren Onlineplattformen, auf denen das Geschäft erfolgt. Durch die Öffnung für Onlinehändler vervielfältigt sich nicht nur der Umsatz, das Marketingpotential steigt beträchtlich und ein kundenorientierter Wettbewerb unter den teilnehmenden Geschäftsleuten entsteht.

    Ein essentieller Faktor darf nicht unbeachtet bleiben:
  3. Der Schutz der Kundendaten

    Das Geschäftsmodell dieser globalen Player basiert auf der Generierung und der Sicherung der eigenen Kundenbeziehungen. Die (Kunden-) Datenhoheit bleibt zwingend im plattformbetreibenden Unternehmen. Lediglich zu Transaktionszwecken werden einzelne Datensätze an die Partnerfirmen herausgegeben.
    Amazon und Google machen beispielhaft vor, wie Kundentaten optimal verknüpft und ausgewertet werden: (Kauf-) Gewohnheiten werden analysiert und für (Cross) Selling zum optimalen Zeitpunkt genutzt, Anzeigen werden zielgruppengenau geschaltet, Bewertungen gesammelt und als Mehrwert angeboten, etc., etc.

Schreibtisch mit Mappen, Blättern und Händen

Die Konkurrenz kommt nicht aus den eigenen Reihen. Branchenfremde Unternehmen erobern sicher geglaubtes Terrain.

Mit ihren Geschäftsmodellen haben Amazon, Google und eBay den Handel längst revolutioniert. Die Einzelhändler laufen der Entwicklung zwar hinter her, haben aber in Einzelfällen interessante Ansätze der Business Transformation gefunden. Sehr schön sind beispielsweise die Actionfiguren realer Kunden für nur ₤40 (ca. 50 €).
Die neue Konkurrenz kommt längst nicht mehr aus den eigenen Reihen. Wie dargestellt erobern branchenfremde Unternehmen Stück für Stück sicher geglaubtes Terrain.
Neben der Verlagsbranche steht aktuell der Finanzsektor vor kapitalen Herausforderungen.
StartUps, deren Mitarbeiter den digitalen Wandel nicht kennen, weil sie schlichtweg zu jung sind, verschärfen diesen Trend. Für die Generation Y hat dieser Wandel nicht stattgefunden. Das digitale Zeitalter ist gelebte Realität – man kennt es nicht anders. Diese Selbstverständlichkeiten in genau solchen StartUps treiben ernstzunehmende Blüten: Mit Crowdfunding und Bitcoins wird frontal das Kerngeschäft der Banken angegriffen, ohne Banklizenzen zu benötigen!

Unternehmen, die diese neuen Wege nicht beschreiten wollen oder können, werden in naher Zukunft mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen haben. Die Arbeitswelt erlebt einen erheblichen Wandel:

„Da man für echte Innovationen Mitarbeiter braucht, die Dinge anders machen, sind auch die Unternehmen aufgefordert, ihrerseits andere Bedingungen zu bieten. Insofern ist eine offene, freie und dadurch attraktive Unternehmenskultur wettbewerbsentscheidend.“

Warum sollten andere Branchen von diesen Angriffen verschont bleiben?

Was hindert die großen Player daran, morgen Reisen, Versicherungen und Dienstleistungen zu vermitteln? Die ernüchternde Antwort lautet: nichts! Der Angriff erfolgt lediglich später, wenn die lukrativen Claims abgesteckt sind. Die kleinen Player werden weiterhin mit ihren disruptiven Ideen aus allen Rohren feuern. Die Granaten schlagen nach und nach in allen Branchen ein.

Gibt es Auswege?

Ausgang/Tür in weißer Wand aus großem Raum

Den entscheidenden Schritt weiter gehen. Entwicklungen und Kooperationen auch branchenfremd ergebnisoffen prüfen.

Die unbedingte Bereitschaft zum Wandel muss geschaffen werden. Innovative Konzepte sind gefragt. Ideen, die ohne Restriktionen vieles in Frage stellen, die sowohl den Kunden, als auch den Mitarbeiter samt ihrer jeweiligen Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen. Das technisch und sozial Machbare ist sinnvoll einzusetzen. Es ist den entscheidenden Schritt weiter zu gehen. Neue, auch branchenfremde Entwicklungen und Kooperationen sind ergebnisoffen zu prüfen und am Ende zu bewerten. Stakeholder dürfen sich über Social Media Maßnahmen an der Entwicklung des Unternehmens beteiligen. Crowdsourcingoptionen sind zu prüfen, den Verbraucher nicht mehr als Konsument, denn als Prosument entdecken; die Stichworte dazu lauten Co-Found, Co-Design, Co-Develop, Co-Customize, Co-Production, Co-Storage, Co-Deliver, Co-XYZ.
Insgesamt sind Social Media Maßnahmen für die verschiedensten Geschäftsprozesse zu prüfen. Social Media ist entgegen der landläufigen Meinung weit mehr als eine Art des Onlinemarketings (lies dazu meinen Blogpost über das große Delta zum Thema Social Media in deutschen Unternehmen).
Ausgefallene Vorschläge sind nicht vorschnell als nicht-machbar zu disqualifizieren, Bedenkenträger erst in der Schlussphase zu integrieren.
Auf diesen Grundlagen können Konzepte entwickelt werden, die nicht selten ganze Konzerne massiv verändern.
Die Früchte aber sind die Zukunftsfähigkeit und die Chance auf ein Überleben.

Wie das im Einzelnen aussehen kann, zeige ich Euch in einem meiner nächsten Blogposts.

Ist Deine Sichtweise ähnlich? Hast Du andere Standpunkte? Die Diskussion sei eröffnet. Kommentiere diesen Beitrag.

Der Christian

5 Gedanken zu „Digitaler Wandel tötet

  1. Sigrid Wieland sagt:

    Ich bin genau Ihrer Meinung. Ein interessanter Ansatz ist, dass die Gobal Player auch Dienstleistungen oder Versicherungen verkaufen können. Solch ein neuer Vertriebskanal kann z.B. die Versicherungsbranche verändern. Sehr interessant.

  2. A. Winner sagt:

    Ja, ist sehr interessant. Transformatorische M&A Targets zu identifizieren und dann auch zu akquirieren ist nicht nur sehr schwierig sondern auch sehr teuer. Gruss Winni

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